Ausstellung zwischen Tradition und Moderne: Fenster zur Seele von Xin Zheng

Eröffnet von Karin Ackermann-Feulner, Geschäftsführerin vom BSF e.V., begann am 8. Mai um 18 Uhr in der Galerie Kunstmobil die Ausstellung Fenster zur Seele von Xin Zheng. Mit dieser Ausstellung stellt sich Xin Zheng als neue Künstlerin im Projekt Kunstautomaten vor. Von Kultur und Kulturen im Netzwerk Richtsberg e.V. initiiert, stehen seit 2021 in Marburg zwei Kunstautomaten: Am Christa-Czempiel-Platz und am Ufercafé. Europaweit betrieben werden sie seit über 20 Jahren von der Agentur Kunsttick in Potsdam. Aus umgebauten Zigarettenautomaten können kleine Original-Kunstwerke gekauft werden. „Augen sind das Fenster zur Seele“, lautet ein Sprichwort. Die Augen sind der Ausdruck unserer Persönlichkeit, unseres inneren Erlebens, der menschlichen Interaktion, Nähe, Liebe, so die Künstlerin. Und ebenso für Individualität, was die Künstlerin im Gespräch ganz besonders hervorhebt. Gerade auch beim Beschreiben ihrer künstlerischen Technik:

Xin Zheng porträtiert Augen nach Fotos von Freundinnen und Freunden, teilweise auch Liebespaaren und verwendet dafür einen 3D-Druckstift. Dieser erinnert sie an die chinesische Zuckermalerei. Zwischen altem Handwerk und moderner Technologie angesiedelt, bietet der 3D-Druckstift eine Metaebene. Anders als der traditionelle 3D-Druck, der auf Softwaremodellierung und präzise mechanische Steuerung angewiesen ist, bringt diese direkte, handgezeichnete Technik Zufälligkeit und handwerkliche Spuren mit sich. Durch das Überlagern von Linien erzeugt die Künstlerin einen verblüffenden Effekt von im Raum schwebenden Reliefs. Sie beruft sich aber auch auf die Arts and Crafts-Bewegung, die ab den 1850er Jahren in England vom Architekten, Maler und Dichter William Morris angestoßen wurde. Sie war als Gegenbewegung zur Industrialisierung und ihren fatalen sozialen und gesellschaftlichen Folgen entstanden. Morris wollte sich von der industriellen Massenproduktion absetzen, indem er über die Einzigartigkeit des Materials und den Einsatz traditioneller Handwerkstechniken individuelle Objekte gestaltete.

Die Künstlerin stellt fest: „Wir sind keine Roboter, wir sind Menschen mit einer einzigartigen Persönlichkeit. Ich bin auch als Künstlerin kein Roboter.“ Jeder Strich trägt die Spontaneität und Intuition der Künstlerin in sich und verleiht den Bildern eine einzigartige „Handwerksästhetik“ sowie das, was Walter Benjamin in Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit als „Aura“ bezeichnete. So lotet die Künstlerin Xin Zheng Techniken zwischen Tradition und Moderne aus. Xin Zheng hat Bildende Kunst, Kunstgeschichte, Philosophie & Kunstdesign studiert. Sie ist Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler (BBK). Sie ist auch als Kuratorin von Ausstellungen tätig.

Die Ausstellung Fenster zur Seele ist während der Öffnungszeiten des BSF e.V. (Bewohnernetzwerk für Soziale Fragen), Damaschkeweg 96 in Marburg, montags bis freitags von 10 – 16 Uhr zu besichtigen. Die Bilder werden bis zum 12. Juni 2026 ausgestellt.